Ein Stück Stolberger Kneipengeschichte geht seit Dienstag zu Ende: Johannes Lang hat seine alte Brennerei an der Eschweilerstraße geschlossen und es ist vorerst ungewiss, wie die 140-jährige Tradition der kleinen Kneipe weitergeführt wird.
23 Jahre lang stand der heute 66-Jährige hinter dem Tresen. Doch eigentlich begann seine Geschichte in der Gastronomie schon viel früher. Mit gerade einmal 14 Jahren fing Johannes an zu kellnern, arbeitete in verschiedenen Lokalen und blieb der Branche über Jahrzehnte treu. Doch 51 Jahre Gastronomie hinterlassen Spuren und so fiel ihm die Entscheidung kürzerzutreten auch nicht leicht. Doch seit Februar ist er Rentner und seine Gesundheit setzt ihm langsam Grenzen.
Viele Gäste verbindet mit der kleinen Kneipe weit mehr als nur ein Feierabendbier. Er selbst kannte das Lokal schon aus früheren Zeiten. Als Mitarbeiter bei Peltzer Werke war er selbst oft zu Gast in seinen Pausen. Nach der Schließung des Werkes war aber auch er betroffen. Da er jahrelange Erfahrung als Kellner hatte, wurde er schließlich gefragt, ob er sich vorstellen könne, die zu übernehmen. Gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin wagte er den Schritt und widmete sein Herz der alten Gaststätte.
Besonders der Karneval habe ihm immer am Herzen gelegen. Jahr für Jahr trafen sich bei ihm die Prinzen und sogar einen eigenen Orden hat er verliehen. Die kleine Kneipe war in der fünften Jahreszeit ein beliebter Treffpunkt für viele Jecken und die Bewohner der Velau:
„Bei mir kamen die Leute als Gast und viele gingen als Freunde“, erzählt er mit einem Lächeln. Umso schwerer falle ihm nun auch der Abschied. Aus gesundheitlichen Gründen müsse Johannes sein Lokal aber vorerst schließen.
Mit der Schließung verliert die Stadt erst einmal nicht nur eine weitere Gaststätte, sondern auch einen Ort der Begegnung und einen Treffpunkt, an dem Geschichten geschrieben wurden zu Gast bei einem Wirt, der Gastronomie nicht nur als Beruf, sondern als Leidenschaft gelebt hat.




