Generationen von Stolbergern haben in ihr gemeinsame Kinoabende erlebt und jetzt ist sie bald weg: Der Abriss der alten Schauburg an der Rathausstraße hat begonnen. Bis Januar soll von dem traditionsreichen Kino nichts mehr übrig sein. Damit verschwindet ein Stück Stolberger Stadtgeschichte endgültig aus der Innenstadt.
Vor fast 100 Jahren wurde in der Schauburg der erste Film gezeigt. Damals gab es noch kein Fernsehen und wer Filme sehen wollte, der musste dafür ins Kino gehen. Die Schauburg war daher schnell auch über Stolbergs Grenzen hinaus bekannt. Viele junge Menschen kamen in die Stadt, um gemeinsam in die Welt der bewegten Bilder einzutauchen.
Nachdem das Kino die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs weitgehend unbeschadet überstanden hatte, war rund 40 Jahre später aber Schluss. Weil immer weniger Besucher kamen, musste der Betrieb im Frühjahr 1985 aufgegeben werden. Danach öffnete eine Videothek im Erdgeschoss, in der sich die Stolberger ihre Lieblingsfilme immerhin noch ausleihen konnten. Doch auch diese Zeiten gingen vorbei und das ehemalige Kino stand plötzlich leer.
Jetzt wird aus dem alten Gebäude endgültig Geschichte. Seit Anfang der Woche sind schon große Teile abgebaut worden: „Wir haben schon angefangen und starten als nächstes dann mit dem Abriss der Fassade“, kündigt Tunahan Böyük an. Bis Anfang nächsten Jahres soll die Schauburg dann komplett verschwunden sein.
Der große Kinosaal sollte eigentlich erhalten und zu einem riesigen Indoor-Spielplatz umgebaut werden, doch daraus wurde nichts: „Ich war sehr überrascht, als plötzlich im Steinweg ein Indoor-Spielplatz eröffnen sollte, obwohl meine Planungen schon standen“, erinnert sich Böyük. Ihm sei nichts anderes übrig geblieben, als seinen Plan zu ändern. Nun sollen zwei neue Wohnhäuser entstehen.
Für viele Stolberger bedeutet das den Abschied von einem Ort, an dem über Jahrzehnte gemeinsam gelacht, geweint und mitgefiebert wurde. Die Leinwand ist längst verschwunden und nun verschwindet auch die Schauburg selbst nach fast einem Jahrhundert.




